Den Lochbachexpress gab es bis 1982

localbahnhof-haunstetten

Vor der Abfahrt wohl noch schnell ein Zigarettchen paffend: Ein Fahrgast vor dem bis 1927 bestehenden Haunstetter „Bahnhof“ an der Krankenhausstraße. Foto: Archiv Augsburger Localbahn

Historie vor Ort Haunstetten und Göggingen waren durch die Localbahn mit der weiten Welt verbunden. Der Niedergang der Textilindustrie führte zu deren Einstellung

                      Von Dr. Heinz Münzenrieder

Haunstetten/Göggingen  Ärger gab es, weil sie leer ausgegangen sind: Weder die Haunstetter noch die Gögginger erhielten nämlich einen direkten Anschluss an die am 1. September 1847 eröffnete Strecke Augsburg – Kaufbeuren der Königlich-Baierischen Staatsbahnen. Die Herrn Eisenbahningenieure ließen sich nämlich von einer Linienführung über das Augsburger Hochfeld nicht abbringen. Für Haunstetten und Göggingen stellte jedoch die 1882 auf den Weg gebrachte Augsburger Localbahn eine maßgerechte Lösung dar. Insbesondere die ansässigen Großbetriebe – in Haunstetten die Spinnerei und Weberei, die Bleicherei und Färberei Martini sowie die Gögginger Nähfadenfabrik – hatten für ihre Energieversorgung ziemlich Hunger nach Kohle.

Und viel textile Produkte galt es via Schiene zu transportieren. Eröffnet wurde die Strecke nach Göggingen am 1. Januar 1885 und die nach Haunstetten am 13. September 1899. Und die Haunstetter leisteten sich noch eine Besonderheit: Bis 1927 – in jenem Jahr wurde der Ort an die Augsburger Straßenbahn angeschlossen – konnten sich sogar Personen befördern lassen. Sechs Züge – im Volksmund Lochbachexpress tituliert – verkehrten täglich.

                      Ein Zug ohne Rückkehr

Das „Bahnhöfle“ – ein recht schlichtes Wartehäuschen – befand sich an der Krankenhausstraße und noch bis 1956 wurde das Haunstetter Zügle von einer fauchenden Dampflokomotive gezogen. Ein kleines Problem hatten allerdings die Haunstetter Nachtschwärmer: Der letzte Zug nach Augsburg verließ den Ort immer um 20.30 Uhr. Doch dies war ein Zug ohne Rückkehr ins geliebte Haunstetten und deshalb bekam mancher manchmal ein paar Schwierigkeiten. . . Da hatten es die Gögginger besser. Sie konnten schon ab 1881 die Augsburger Trambahn benützen; die anfangs sogar per „Pferdemotor“ ins Rollen kam.

Doch einen Nachtexpress hat es auch hier nicht gegeben. Schluss mit lustig war es für die jetzt nur mehr Frachtgut transportierende Localbahn nach Haunstetten ab 1982. Göggingen war ab schon vier Jahre früher dran. Der Niedergang der Textilindustrie war einer der Gründe hierfür. Und endgültig vorbei sind  die Zeiten, als die Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen – Marktführer in ganz Festlandeuropa – etwa im Jahre 1914 weit über 50 000 Tonnen Textilgüter von der braven Augsburger Localbahn auf den Weg in alle Welt bringen ließ. (Augsburger Allgemeine / AZ vor Ort vom 6. Oktober 2016)

Bild: Vor der Abfahrt wohl noch schnell ein Zigarettchen paffend: Ein Fahrgast vor dem bis 1927 bestehenden Haunstetter „Bahnhof“ an der Krankenhausstraße. Foto: Archiv Augsburger Localbahn