Gab es vier Antoniuskapellen in Haunstetten

Kulturkreis Haunstetten: Gab es vier Antoniuskapellen in Haunstetten? (27.08.2013)

Antoniuskapelle

Die Vorgeschichte der heutigen Antoniuskapelle ist leider nur unzureichend bekannt, viele Fragen sind noch offen. Der Kulturkreis Haunstetten bittet deshalb die Haunstetter Bürgerinnen und Bürger, bei der Erforschung mitzuhelfen und Erinnerungen an die verschiedenen Kapellen oder auch Bilder unserem Ortsarchiv zu überlassen.

Die derzeitige Kapelle liegt an der Kopernikusstraße (ehemals Gögginger Straße) und ist- wie ihre Vorgängerinnen – dem heiligen Antonius von Padua (1195-1231) geweiht.

Die  Geschichte dieser Vorgängerinnen ist noch wenig erforscht.

Die Gründung und der Bau der ältesten Antoniuskapelle liegen wohl im 17./18.Jahrhundert. Der Haunstetter Pfarrer Franz Xaver Rid führte 1803 diese Kapelle in der Liste von Gebäuden auf, die er nach der Säkularisation im Auftrag des Rentamtes in Göggingen schreiben musste und gab als ihre Lage „ außer dem Dorf“ an. Sie habe einst, wie die Muttergotteskapelle und die Pfarrkirche, einen eigenen Fonds besessen, woraus bis zur Säkularisation 1802 ihr Unterhalt bestritten wurde.
Auf alten Plänen, z.B. im  „Topographischer Atlas vom Königreich Baiern“ (1818) kann die Lage dieser Kapelle erkannt werden.
Anfang des 19.Jh.  wurde diese erste Kapelle (St. Antoni Capell), die nördlich außerhalb des damaligen Dorfes Haunstetten lag (an der heutigen Haunstetter Straße), abgerissen. In einem Bericht von 1809 an das Königliche Rentamt heißt es, dass die Kapelle vor etlichen Jahren durch französische Truppen, “die an dem Dorf in großen Mengen lagerten, sehr beschädigt wurde und  als baufällig anzusehen ist.“
In den napoleonischen Kriegen  waren jahrelang nicht nur  französische Soldaten durch Schwaben gezogen; und die französischen Truppen (bis zu ca.40.000 Mann) in und um Augsburg brauchten Unterkunft und Verpflegung.

Die wohl zweite, diesmal in Haunstetten errichtete Kapelle (angeblich im neuromanischen Stil), stand – so Nachforschungen des Kulturkreises – bei der Einmündung des nicht mehr vorhandenen Antoniusgässchen (heute Firma Auto Reichardt) in die heutige Haunstetter Straße und geht einer ungesicherten Überlieferung nach auf ein Gelübde von Haunstetter Bauern im 19.Jh. zurück, die während eines verheerenden Unwetters den Bau gelobten. In dieser Kapelle standen bereits die Heiligenfiguren, die Bartholomäus Eberl zugeschrieben werden. Sie war am Ende sehr baufällig und „fiel zusammen“ (Frau Antonie Schäfer).

Die dritte Antoniuskapelle wurde am Ende des 2.Weltkriegs vom  Haunstetter Hutmachermeisters Josef Sigmund (Großvater von Frau Antonie Schäfer) auf seinem Privatgrund einige Meter weiter westlich an der Augsburger Straße (heute Haunstetter Straße) erbaut.  Er übernahm auch die hölzernen Heiligenfiguren.

Neben der Kapelle stand sein Wohn- und Geschäftshaus. Dieses Geschäftshaus samt Kapelle musste aber nur einige Jahre später, um 1953 Bauarbeiten zur Verbreiterung der Augsburger Straße weichen.

So entstand 1953 die vierte Kapelle, ebenfalls durch Josef Sigmund auf seinem Privatgrund. Sie steht nun nur  ca. 50 Meter weiter westlich neben dem ebenfalls neu erbauten Wohn- und Geschäftshaus. Gebaut wurde sie aus den Steinen des abgerissenen Sigmund-Hauses durch das Baugeschäft Höltl. Der frühere zweite Bürgermeister Rudolf Ripperger stiftete für die Kapelle das massive eiserne Gitter.

Betreut wurden und werden die Privatkapellen drei und vier von den Familien Sigmund – Schäfer. Einst betete man während der Antoniusoktav die ganze Woche hindurch täglich drei Rosenkränze. Jeden Dienstag (Antonius-Dienstag, der hl. Antonius war an einem Dienstag bestattet worden) wurde ebenfalls der Rosenkranz gebetet. Wegen Vandalismus ist seit einigen Jahren die Kapelle verschlossen. So erlosch auch das religiöse Leben in ihr.

Im Inneren stehen drei alte franziskanische Heilige: die Figuren des hl. Antonius von Padua und  die Büsten des hl. Franz von Sales (1567-1622) und des hl. Petrus von Alcantara (1499-1592) entstanden wohl schon in der ersten Hälfte des 18.Jh. und stammen noch aus der ersten Kapelle. Sehr selten wird – wie hier – der hl. Antonius dargestellt, indem er ein Buch in der Hand hält, auf dem das Jesuskind steht. (Bild des geschriebenen und des Fleisch gewordenen Wort Gottes) Die Figuren werden dem Friedberger Bildhauer Bartholomäus Eberl zugeschrieben. Eberl war damals im schwäbisch-bayerischen  Raum ein bekannter Holzschnitzer. So schuf er wohl 1711 am Altar in der Friedberger Wallfahrtskirche Maria Alber die Engelsfiguren an den Giebeln.