Stadtwerke testen intelligentes Stromnetz in Augsburg-Haunstetten

Stadtwerke testen intelligentes Stromnetz in Augsburg-Haunstetten (22.10.2013)

Die Stadtwerke Augsburg treiben die Energiewende weiter voran, in den nächsten Wochen startet ein Forschungsprojekt zum so genannten Smart Grid, dem intelligenten Stromnetz, das gezielt den Stromverbrauch regeln kann.
Da Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne in der Energieerzeugung schwer vorauszuberechnen sind, sind unter anderem die Steuerung von Verbrauchsgeräten und Speichern notwendig. So kann die größtmögliche Nutzung von Wind- und Sonnenenergie gewährleistet werden.
Das Pilotprojekt wird im Gewerbegebiet Haunstetten stattfinden. Hier befindet sich ein Mittelspannungsring mit einem hohen Anteil an regenerativen Einspeisungen, bei dem im Rahmen des Forschungsprojekts genau gemessen werden kann, wie viel Strom hinein- und herausfließt. Hier gibt es viele Großverbraucher, die durch zu oder Abschalten der Anlagen das Netz stärker beeinflussen. Dies bedeutet unter anderem mehr messbare Daten und die Möglichkeit, innerhalb dieses lokalen Systems, eines so genannten Microgrids, die Netzlast besser auszugleichen.
Durch den zeitlich und örtlich optimierten Verbrauch können Kosten und Energieverluste durch den Transport vermieden werden. Der Netzausbau bleibt in einem überschaubaren Rahmen. Smart Grids senken die Kosten sowohl für Netzbetreiber als auch Lieferanten und somit letztlich auch für den Kunden. Durch die Auswertung von mehr Netzdaten und die intelligente Steuerung der Lastverteilung können die swa ihre hohe Versorgungssicherheit nicht nur beibehalten sondern noch weiter ausbauen.
Auch die Umwelt profitiert von einer intelligenten Netzsteuerung: Energieflüsse können besser prognostiziert, größere Mengen Erneuerbarer Energien integriert und so eine maximale CO2-Einsparung erzielt werden.
Um ein intelligentes Stromnetz voll ausnutzen zu können, das heißt auch in Zeiten wenig regenerativer Produktion durch Wind und Sonne, empfehlen sich Blockheizkraftwerke. Diese erzeugen umweltschonend Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung über einen erdgasbetriebenen Generator und können die Stromlast im Netz ausgleichen.
Das Projekt wird in drei Phasen ablaufen. Zunächst wird eine ausführliche Analyse des Netzes durchgeführt, dann erfolgt eine Computersimulation des Netzes und der Stromflüsse, bevor ca. Ende 2014 tatsächlich intelligente Zähler bei den Kunden eingebaut werden und vor Ort Tests durchgeführt werden. Ein Schwerpunkt des Projekts befasst sich mit der nötigen IT-Infrastruktur.
Für die Kunden vor Ort wird es ein spezielles Internetportal geben, in dem sie sich ihren Verbrauch anzeigen lassen können. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig.
Die swa arbeiten bei diesem Forschungsprojekt zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK, der Technischen Universität München und weiteren bayerischen Partnern aus der Industrie.
Das Fraunhofer ESK konzeptioniert hierbei das Kommunikationsnetz, um eine effektive Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Energien und einen stabilen Betrieb des Smart Microgrids zu gewährleisten. Dieses muss die unterschiedlichen Daten aller Beteiligten, wie der Energieverbraucher und –lieferanten, der Leitstelle oder von Abrechnungssystemen, koordiniert transportieren, um zuverlässig und schnell Steuer- und Schaltprozesse auszulösen, z.B. wenn zu viele zugeschaltete Photovoltaikanlagen eine bedrohliche Überspannung im Netz erzeugen.
Die Wissenschaftler definieren daher zunächst unterschiedliche Anwendungsfälle und erarbeiten ein Konzept für die nötige Netzwerkarchitektur inklusive einer Spezifikation für die Kommunikations-schnittstellen.
Mit Hilfe eines umfangreichen Simulators konzipiert die TU München parallel dazu ein an die speziellen Anforderungen des Smart Microgrids angepasstes Stromnetz, das u.a. den Einsatz der regenerativen Energien berücksichtigt. Anschließend untersuchen die Wissenschaftler der Fraunhofer ESK und der TU München gemeinsam das Zusammenspiel von Kommunikation und Stromversorgung im Microgrid.
Das Projekt wird vom bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gefördert.