Antoniuskapelle

Zum Namenstag des hl. Antonius von Padua

Die erste Antoniuskapelle
(kw – Karl Wahl, Heimatforscher Haunstettens) Am Samstag 13. Juni ist Namenstag des hl. Antonius von Padua (1195 bis 1231). In Haunstetten steht seit fast 290 Jahren ständig eine Antoniuskapelle. Derzeitig steht sie an ihrem dritten Standort.

Die ursprüngliche Kapelle soll um 1720 entstanden sein. Sie stand in der Südwestecke der heutigen Marconistraße und des ehemaligen Antoniusgässchens knapp südlich der Textilstraße. Bilder oder Zeichnungen davon sind nicht überliefert.
Die Kapelle war so im Bewusstsein der Haunstetter verwurzelt, dass die einzelnen schmalen Grundstücksstreifen nördlich davon – wo später die Arbeiterkolonie der Haunstetter Spinnerei und Weberei erbaut wurde – als „Antonianger“ und die Grundstücke zusammen als „Antoniplatte“ in den ersten Grundsteuerkataster aufgenommen wurden.
Als 1805 Napoleons Truppen in Augsburg einmarschierten, wurden die umliegenden Dörfer mehr oder weniger verheert (man beachte den Zusammenhang zwischen Heer und verheerend). Nördlich vom damaligen Haunstetten, in der Gegend der Kapelle, richteten sie ein Feldlager ein. Danach war die Kapelle stark beschädigt, ruinös  und baufällig.

Wie es zur zweiten Antoniuskapelle kam.
Die Haunstetter Bauern hatten ehemals Süden der Haunstetter Flur, nahe bei Königbrunn, sommers ihr Vieh auf der Weide. Der Viehtrieb dorthin fand statt auf der späteren Viehtriebstraße. Er führte ehemals geradlinig weiter nach Süden, wo er die heutige Landsberger Straße etwas südlich des Seniorenheimes „Wetterstein“ spitzwinkelig kreuzte. Daraus wurde in Haunstetten die Viehtriebstraße.
Nach der Stadterhebung von Haunstetten wollte niemand mehr in der einer Viehtriebstraße wohnen. Nachdem der historische Hintergrund vergessen war, wurde nicht lange lange nachgeforscht, und nicht lange gefackelt, sondern einfach und gefühllos die Viehtriebstraße in „Römerstraße“ umbenannt. Nach der Eingemeindung gab es in Augsburg allerdings zwei Römerstraßen. Die in Haunstetten war die jüngere der beiden und wurde daraufhin in „Via-Claudia-Straße“ umbenannt. Allerdings hat sie nicht den geringsten historischen Hintergrund zur ehemaligen „Via Claudia Augusta.“
1848 entwickelte sich im Haunstetter Süden, dort die Bauern ihr Vieh auf der Weide. hatten, ein schweres Unwetter. An den schwefelig-grauen Wolken war unschwer zu erkennen, dass viel Hagel herniedergehen würde. Sie legten das Gelübde ab, dass sie eine Kapelle stiften,  wenn sie ihr Vieh heil nach Hause bringen würden. Sie brachten fast in letzter Sekunde ihre Tiere unter Dach und Fach. Dann brach ein fürchterliches Unwetter los. Dabei ging im Süden der Gemeindeflur ein so schwerer Hagelschlag hernieder, dass ein Stück des Gemeindewaldes nicht stark beschädigt, sondern vernichtet wurde (!). Die Bauern hatten für mehrere Jahre ihre Winterarbeit mit dem Ausholzen und Roden des vernichteten Waldstückes. Danach wurde die Fläche unter den Bauern verteilt und zur Kultivierung freigegeben. Das sind mit offiziellem Namen die große und die kleine Kultivie – Wahrscheinlich auf Grund einer Sprachkreuzung der Worte Kolonie (dieses Wort wurde ehedem auch manchmal bei Rodungen verwendet) und Kultivie, entstand in Haunstetten das Wort „Kolovie“. Die „alten Haunstetter“ und die paar verbliebenen echten Bauern sprechen heute noch von der Kolovie und nicht von der Kultivie.
Das Gelübde erfüllten die Bauern mit dem Bau einer Votivkapelle, der zweiten Antoniuskapelle.
Auf den amtlichen, maßstäblichen Flurkarten ist die erste Antoniuskapelle noch 1862 an der ursprünglichen Stelle eingetragen. 1884 ist sie bereits auf der zweiten Stelle, nämlich in der Südwestecke der Haunstetter und der ehemaligen Gögginger Straße, jetzt Kopernikus-Straße, verzeichnet.
Am 13. Juni 1904 (Namenstag Antonius) war in der ehemaligen Haunstetter Zeitung zu lesen: „Am Montag, den 13. ds. Mts. werden es 60 Jahre, dass die hiesige Antoniuskapelle von der Gärtnerswitwe Veronika Reisinger jeweils am Feste des heiligen Antonius auf das schönste geschmückt wird. Während dieser langen Zeit, und zwar nicht nur zu den Festen des Heiligen, sondern auch zu jeder Jahreszeit hat es diese Frau nicht unterlassen, für ihren Schutzpatron unter Aufbietung manchmal nicht unerheblicher Opfer, trotzdem sie seit vielen Jahren das Bett nicht mehr verlassen kann, zu sorgen, daß diese Stätte jederzeit in einem reinlichen und hübschen Zustande unterhalten wurde.“ Es bestand ehemals die Gärtnerei Reisinger am „Unterer Stockplatz“
Am 10. Juni 1908 war zu lesen „Während der Oktav des Festes [Pfingsten] versammeln sich alljährlich fromme Beter in der Kapelle zum gemeinsamen Rosenkranze.“
Schon 1939 war an den Abbruch des Hauses Sigmund einschließlich der Antoniuskapelle gedacht, weil nach dem zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn bis zur Protestantischen Kirche (Christuskirche) neben dem einen, weiterführenden Gleis in Richtung Georg-Käß-Platz ein langes Abstellgleis geplant wurde.
Antonie Sigmund (verh. Schäfer) wurde aufgrund ihres Namens zur Patin der Kapelle. Sie betreute die Kapelle schon seit ihrer Mädchenzeit. Sie musste auch viel Geld ausgeben, um die Auflagen der Versicherung für die Figurengruppe zu erfüllen, u.a. Sicherheitsschlösser und Absperrgitter innen bis zur Decke, um das Übersteigen zu verhindern, und sie bezahlt alljährlich den Versicherungsbeitrag.

Die dritte Antoniuskapelle
Als 1953 die ursprünglich rechtwinklige Abzweigung der Landsberger Straße von der Haunstetter Straße umgebaut und die alte B 17 vierspurig ausgebaut wurde, mussten das alte Sigmundhaus mit einem  Kurzwaren- und einem Hutgeschäft sowie die Antoniuskapelle abgebrochen werden. Sie wurden etwas weiter westlich neu erbaut.
Die ehemalige Baufirma Höltl hat die Kapelle kostenlos neu errichtet aus den Steinen des bisherigen Sigmund-Hauses. Die ehemalige Metallbaufirma Ripperger hat das Absperrgitter innen zum Schutz der Figurengruppe kostenlos angefertigt.
Die Holzfiguren des hl. Antonius von Padua sowie die Büsten des hl. Franz von Sales und des hl. Petrus von Alcanta, aus der Zeit von 1720 -1725, stammen noch aus der vorherigen Kapelle.
In der neuen Kapelle wurde von 1953 bis 1990 jeden Dienstag abends um 19 Uhr ein Rosenkranz gebetet.
In der „Antoniuswoche“, der Woche mit dem Namenstag, wurden dort ein Woche lang, beginnend am Namenstag allabendlich drei Rosenkränze hintereinander gebetet.
Ehemals war die Antoniuskapelle immer offen. Antonie Sigmund hatte jahraus, jahrein täglich die Kapelle morgens aufgesperrt und spät abends wieder zugesperrt,
Aufgrund vielerlei unschöner Vorkommnisse,  Vandalismus und Zerstörungen ist die Kapelle seit 1997 geschlossen. Es kam vor, dass ein Einkaufswagen mit einem Vogelkäfige in der Kapelle „entsorgt“ wurde.  Manchmal lagen bis zu zehn leere Weinflaschen in der Kapelle. Auch wurde darin Saft aus Pappbechern getrunken und Saft iin den Opferstock geschüttet, so dass alles pappig und klebrig war. Auch wurde manchmal ein Feuer darin angezündet, wobei der Teppich und die Bänke teilweise verbrannt sind. Sogar Damentleerungen kamen immer wieder mal vor. Lausbuben haben den Rosenkranz mit Stecken herausgeangelt und zerrissen. Eine unbekannte Person hat den Arm einer Figur abgeschlagen
Als die Patin Antonie Schäfer, geb. Sigmund, wegzog hat sie den Schlüssel an eine Geschäftsiinhaberin im Sigmund-Haus übergeben. Nach einiger Zeit gab diese den Schlüssel zurück. Sie hatte Angst. Es trieben sich in der Kapelle Gestalten zum Fürchten herum und hatten dort ihr Räusche ausgeschlafen.
Die Antoniuskapelle wird deswegen nur noch geöffnet, wenn jemand ein Anliegen hat und dazu allein in der Kapelle sein möchte.

Antoniuskapelle bis 1953
BU: Das Bild zeigt die zweite Antoniuskapelle, wie sie bis 1953 stand. Die Aufnahme entstand in der Zeit des „Dritten Reichs,“ als die frühere Gögginger Straße und heutige Kopernikusstraße den Namen „Ritter-von-Epp-Straße“ hatte.
Bild: Sammlung Wahl.

Holzfigur des hl. Antonius von Padua
BU: In der Kapelle steht eine Holzfigur des hl. Antonius von Padua sowie Büsten des hl. Franz von Sales und des hl. Petrus von Alcanta, aus der Zeit von 1720 – 1725.
Bild: Sammlung Wahl.

Antoniuskapelle
BU: Die derzeitige Antoniuskapelle.
Bild: Karl Wahl

Vielen Dank an Herrn Karl Wahl für die aufwändige Arbeit und das Erstellen des Beitrages.