Augsburger Huhn

Das Augsburger (Haunstetter) Huhn

(kw – Karl Wahl, Heimatforscher Haunstettens) Das Augsburger Huhn ist die einzige schwäbische und sogar die einzige bayerische Hühnerrasse. Gezüch­tet wurde sie erstmals 1880 von Julius Meyer aus Haunstetten. Er war Mitinhaber der Wachstuchfabrik Meyer und Mittler, die später „Chemische Fabrik Haunstetten“ hieß. Im Volksmund war das die „Wichs“. Zur Erinnerung an die Fabrik trägt eine Straße zwischen der Königsbrunner Straße und der Via-Claudia-Straße den Namen Wachstuchstraße.
Meyer kreuzte französische La Flèche-Hühner, die wegen ihrer Fleischgüte sehr beliebt waren, mit italienischen Landhühnern. Was dabei herauskam, war ein Huhn mit schwarzem oder grün leuchtendem Gefieder, jedoch mit einem kuriosen Markenzeichen, und zwar mit einem Kronen- oder Becherkamm.
Das Augsburger Huhn wurde daraufhin zu einer populären Nutz­rasse, da es die gute Eierpro­duk­tion der italienischen mit der Fleischgüte der französischen Tiere vereinte. Die Rasse erhielt daraufhin den Namen „Augsburger Huhn“ und wurde als bestes schwarzes Landhuhn bezeichnet. Die Rasse müßte eigentlich „Haunstetter Huhn“ heißen. Haunstetten war damals jedoch ein unbedeutendes, kleines  Bauerndorf mit rund 1.700 Einwohnern, das weithin unbekannt war.
1902 empfahl der landwirtschaftliche Bezirksausschuß Augsburg für den Bezug von Bruteiern und Junggeflügel des Augsburger Huhns u.a. Julius Meyer aus Haunstetten.
Ende April 1904 gab der schwäbisch-bayerische Kreisverband für Geflügelzucht verschiedene Zuchstationen bekannt, u.a. auch Julius Meyer.
Es war jedoch nicht möglich, Hühner mit dem Hauptras­se­merkmal, nämlich mit dem eigenartigen Kamm reinerbig zu züchten. Nur rund ein Viertel der geschlüpften Küken sind echte Augsburger Hühner, weshalb 1905 der bayerische Landwirt­schaftsrat seine Zuchtempfehlung zurücknahm. Das Huhn durfte von den Zuchtstationen nicht mehr verbreitet werden.
Trotzdem wurde im April 1908 Julius Meyer nochmals als Züchter für Augsburger Hühner bekanntgegeben.
Das Huhn blieb trotzdem weiterhin beliebt. 1911 inserierte Karl Sporer, der Herausgeber der ehemaligen Haunstetter Zeitung, dass er „frische Bruteier von Augsburger Hühnern, nicht über 3 Tage alt,“ zu hohen Preisen ankauft.
Im Mai 1914 bot Julius Meyer Bruteier dieser Hühner, das Stück zu 10 Pfennigen oder ein Brutei für zwei frische Hühnereier an.
Julius Meyer war irgendwann danach verstorben und die Wachstuchfabrik wurde aufgegeben. 1938 wurde das Anwesen an der Königsbrunner Straße, etwa bei der Abzweigung der Augustusstraße, von den Meyer’schen Erben versteigert.
Ehemals war das Huhn verbreitet in Augsburg und im Schwarzwald. Der Bestand ging jedoch stark zurück. Um 1940 verschrieb sich deshalb der „Sonderverein der Züchter des Augsburger Huhnes“ dem Erhalt des Federviehs. Um 1990 war es fast ausgestorben. Heute wird es noch vereinzelt gehalten.
Die Bilder von Henne und Gockel des Augsburger Huhns sind vom Autor Herrn Karl Wahl bei einem Halter von Geflügel und Kleintieren bei Krumbach aufgenommen.

Vielen Dank an Herrn Karl Wahl für die aufwändige Arbeit und erstellen des Beitrags.