Badersölde

Uralte Sölde in Haunstetten vor über 70 Jahren abgebrochen

(kw – Karl Wahl, Heimatforscher Haunstettens) Vor über 70 Jahren (1939) wurde die alte Badersölde abgebrochen.
Sie stand unmittelbar nördlich neben der Eichendorffschule. Laut mündlicher Überlieferung war es das dritte in Haunstetten erbaute Haus gewesen.
Zur Geschichte des Baders in Haunstetten: 1728 eröffnet der Chyrurgus Josef Anton Ruepp sein Geschäft, aus dem der Friseursalon Schöllhorn hervorgegangen ist. Das Haus war dann die sogenannte Badersölde, ehemals das Haus Nr. 69 in Haunstetten. Chyrurgus wurden ehemals die Bader, die Vorgänger der Friseure, genannt. Sie übten neben ihrem eigentlichen Handwerk auch die sogenannte „kleine Heilkunde“ aus wie Zähne ziehen, Ader­lassen, Schröpfen usw.
Als 1895 der praktische Arzt Dr. Gerber verstorben war und sein Nachfolger, Dr. von Hößlin, sich noch nicht in Haunstetten niedergelassen hatte, versah die Leichenschau für kurze Zeit der Bader Karl Schöllhorn, und und zwar für Haunstetten, Meringer Au [Siebenbrunn] und die nördliche Hälfte von Königsbrunn.
Eben dieser Karl Schöllhorn, Zahntechniker und Friseur, zeigte 1903 an, daß er sich nunmehr „dahier als Zahntechniker niedergelassen“ hat und empfahl sich für die Anfertigung von künstlichen Zähnen aus Gold, Platina [Platin], Aluminium, Kautschuk, einzelnen Zähnen ohne Gaumenplatte, sowie im Zahnreinigen und Plombieren, Umarbeitung gebrochener oder nicht gut sitzender Gebisse, schmerzlose Zahnextractionen. „Gleichzeitig empfehle ich mich auch im Rasieren, Haar- und Bartschneiden, sowie in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten. Verkauf von Seifen, Parfümerien, Haaröl, Brillantine etc.“
In einer zweiten Zeitungsanzeige gibt er bekannt, daß seine Praxis und sein Laden inzwischen „vis-á-vis“ dem [alten] Friedhof liegen.
Daß die Praxis im alten Baderhaus aufgegeben wurde, braucht auf Grund des Alters des Hauses nicht zu verwundern. Beim Bau ganz alter Häuser wurde nur dort, wo eine Mauer hinkommen sollte, der Grund schmal bis in die frostfreie Tiefe von 80 Zentimetern aufgegraben und dann ohne Fundament und ohne Isolierung direkt auf den rohen Boden gemauert. Unterkellert wurde nicht.
Für die Innenräume wurde nur die Grasnarbe entfernt und der Boden eingeebnet. Dann wurden für die Bodenbalken neben den Mauern und dazwischen mit einem Abstand von rund einem Meter Ziegelsteine gesetzt, die Balken daraufgelegt und die Bodenbretter darauf festgenagelt. So war dann unter den Fußböden eine gute handbreit freiter Raum. Dort wohnten dann die Ratten. Die Kunden hörten in der alten Baderstube immer die Ratten unter dem Fußboden „pfeifen.“
Die alte Badersölde wurde vor übwe 70 Jahren, 1939, abgebrochen. Auf  dem Grundstück steht heute – noch – der 1952 erbaute Wohnblock der „Kreiswohnungsbauhilfe für den Landkreis Augsburg“. Dieses Gebäude wird wahrscheinlich in den nächsten fünf Jahren abgebrochen.

0484gBei der alten Badersölde war wie bei den meisten Anwesen in Haunstetten  auch eine Landwirtschaft dabei. Der Misthaufen beweist es. Das Bild zeigt, daß die Sölde sehr alt und bis unters Dach feucht war. Deshalb war sie auch wirklich abbruchreif. Im Hintergrund sind etwas vom Dach der Eichendorffschule sowie die Turmspitze von St. Georg zu sehen. Bild: Sammlung Wahl.
0117gIm Bild links ein Teil des Hauses mit der ehemaligen „alten Schmiede“. Dort ist seit deren Abbruch eine Grünanlage, worauf der Maibaum steht. Nördlich neben der alten Badersölde das den alten Haunstettern noch bekannte Schöllhorn-Haus, weiter das niedrige Häuschen Bayer und dann das Haus, in dessen Erdgeschoß auf der Südhälfte ehemals ein Konsumgeschäft und in der Nordhälfte das Postamt eingerichtet waren. Im Vordergrund die Schienen der Straßenbahnlinie 4. Bild: Sammlung Wahl.


Die ehemalige Badersölde in der Nähe des Georg-Käß-Platzes. Im Vordergrund links das neuere Schöllhorn-Haus. Im Hintergrund St. Georg und im Hintergrund rechts das Gasthaus Hirsch. Bild: Sammlung Wahl.


Die ehemalige Badersölde wurde 1939 abgebrochen. Sie stand unmittelbar nördlich neben der Eichendorffschule. Auf dem Grundstück steht der 1952 erbaute Wohnblock der „Kreiswohnungsbauhilfe für den Landkreis Augsburg“. Dieses Gebäude wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren abgebrochen. Bild: Sammlung Wahl.


Die ehemalige Badersölde wurde 1939 abgebrochen. Sie stand unmittelbar nördlich neben der Eichendorffschule. Die Schule ist dahinter zu erkennen. Auf dem Grundstück der Badersölde steht der 1952 erbaute Wohnblock der „Kreis-wohnungsbauhilfe für den Landkreis Augsburg“. Dieses Gebäude wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren abgebrochen. Bild: Sammlung Wahl.


Blick vom Kirchturm St. Georg auf den Abbruch der Badersölde. Im Vordergrund links sind die ehemalige „Alte Schmiede“ sowie das ehemalige Wirtshaus „Grüner Baum“ zu sehen. In Bildmitte verläuft die Bürgermeister-Widmeier-Straße in nördliche Richtung. Im Hintergrund die ehemalige Spinnerei und Weberei Haunstetten. Der helle, leicht gebogene Streifen in der rechten, oberen Bildhälfte ist die ehemalige Lokalbahntrasse. Sie führte ehemals bis zur Bleicherei und Färberei Martini. Bild: Sammlung Wahl.


Auf dem Bild steht rechts noch die alte Badersölde. Dahinter das inzwischen völlig veränderte Schöllhorn-Haus. Links im Bild das Haus mit der ehemaligen alten Schmiede. Dahinter ist ein Teil der Gastwirtschaft „Zum Grünen Baum“ zu sehen. Der Platz der alten Schmiede ist seit deren Abbruch im Frühjahr 1970 eine Grünfläche, worauf der Haunstetter Maibaum steht. Bild: Sammlung Wahl.
Vielen Dank an Herrn Karl Wahl für die aufwändige Arbeit und erstellen des Beitrags.