Beim Dürren Ast

Nächste Haltestelle: „Beim Dürren Ast“

(kw – Karl Wahl, Heimatforscher Haunstettens) Viele haben sich schon gefragt, wo der eigentümliche Name der Haltestelle denn herkommt. Der Autor hörte kürzlich in der Straßenbahn die gleiche Frage von Schülern, deshalb hier die Erklärung:
Das Terrain zwischen der Stadt  Augsburg und dem Hochstift St. Ulrich und Afra war vor mehreren Jahrhunderten eine Art von Niemandsland. Augsburg war in südlicher Richtung am Roten Tor zu Ende. Haunstetten als Eigentum des Klosters St. Ulrich und Afra begann erst bei der Muttergotteskapelle in Haunstetten.
Zum Tod verurteilte Verbrecher wurden damals weitab von Stadt und Dorf in der Gegend des viel späteren Lochbachwasserwerks an einem „dürren Ast“ hoch in der Luft und weithin sichtbar aufgehängt. Die meisten Menschen mieden den Platz und umgingen ihn in weitem Bogen. Nur fah­rendes Volk, das in den Mauern der Stadt Augsburg nicht geduldet wurde, nächtigte dort hin und wieder. Die Stätte behielt jahrhundertlang im Volksmund den Namen „Dürrer Ast“ und als dort später ein Gasthaus errichtet wurde, benannte man es ebenso.“
Das Anwesen „Gastwirtschaft zum Dürren Ast“, wurde 1901 für 63.000 Mark an die Stadt Augsburg verkauft, da sie dort zusammen mit einem anderen, ebenfalls angekauften Anwesen, das Lochbachwasserwerk errichten wollte. Die Gastwirtschaften in den Dörfern oder auf freiem Feld an einer Landstraße sind meistens nebenher zu einer Landwirtschaft entstanden. Der Bauer betrieb die Landwirtschaft und die Wirtin den Ausschank. So war auch bei der Wirtschaft „Zum dürren Ast“ einiges an landwirtschaftlichem Grund dabei. Die eigentliche Wirtschaft war der Stadt Augsburg beim Kauf nebensächlich. Wichtig war der Grund am Lochbach zum Bau des Wasserwerks. Im 2. Weltkrieg ist das Gasthaus durch einen Bombentreffer zerstört worden. Auf dem Platz steht heute eine Tankstelle. Nur noch ein großer Kastanienbaum erinnert an den Biergarten.
Nachdem das Univiertel im Bau war, wurde die ehemalige Straßenbahnhaltestelle (Messerschmitt-) „Werk zwo“ verlegt und bekam den heutigen Namen. Die frühere Haltestelle war genau am Pförtnerhaus von Werk zwei, am heutigen Jugendheim.
Eine Episode vor etwa 100 Jahren: Der Großvater des Autors war ein großer, starker Mann, und ein Alkoholiker. Seine Stammkneipe und die seiner Saufkumpane war der „Dürre Ast“. Dort wettete er eines Tages, dass er von seinem Wohnhaus – eine Gärt­nerei zwischen der späterer Volksiedlung und der späteren Baugenossenschaft, einen Doppelzentner (!) Weizen zum „Dürren Ast“ tragen würde. Der Wetteinsatz war der Doppezenter Getreide, die Entfernung fast genau ein Kilometer. Er gewann die Wette und der Wetteinsatz wurde an Ort und Stelle versoffen.
Die „Gastwirtschaft zum dürren Ast“ war auch Treff und Herberge eines Radfahr­vereins. Nur noch Schutt blieb nach einem Bombenvolltreffer 1944 übrig. Heute steht dort eine Tankstelle. Als letztes Zeugnis erinnert ein Kastanienbaum bei der Tankstelle an den ehemaligen Biergarten.
Bild: Sammlung Wahl
Postkarte mit dem ganzen Haus: Poststempel vom 24.6.1940 Bild: Sammlung Wahl
Vielen Dank an Herrn Karl Wahl für die aufwändige Arbeit und erstellen des Beitrags.