Deutsch-Miniatur

Deutsch Miniatur

Karl Wahl, Heimatforscher Haunstettens
Deutsch-Miniatur: Eröffnung am Samstag, 12. Juni 1965 (Samstag nach Pfingsten 1965). Erbauer der Bundesrepublik im Westentaschenformat: Andreas Heinrich, Tiefbauunternehmer in Haunstetten. Eine derartige Attraktion ist in Deutschland bislang noch nicht vorhanden. Fläche: rund 20.000 qm. Alles ist maßstabsgetreu im Maßstab 1:25 nachgebildet. Heinrich nahm sein ganzes Vermögen, stellte Modellbauer, Schreiner und Maler ein, welche dann in abertausenden von Arbeitsstunden an die 500 qm wetterfestes Sperrholz verschiedener Stärken und 300 kg Farben zu verblüffend  wirklicheitsnahen Nachbildungen markanter Gebäude aus allen Deutschen Gegenden erstellten. Weitere Daten: 1.200 m Gleise für die elektrische Eisenbahn. 20 km Kabelleitungen. Der Weg, auf dem die Besucher in 90 Minuten die Bundesrepublik en miniature erwandern können, ist zwei km lang.

Insgesamt 75 bekannte Bauwerke, Sehenswürdigkeiten, Hafenanlagen, Schiffe sowie der Flugplatz Frankfurt am Main und mit 3 bekannten Flugteugtypen sind nachgebaut.

Der Vater des Tiefbauunternehmers, Vitus Heinrich, war Herrschaftsgärtner bei der Gräfin Tattenbach.

Am Eröffnungstag spielte die Blaskapelle des Heimat- und Volkstrachtenvereins. Es waren kommunale Vertreter der Städte Konstanz, Friedrichshafen, Rothenburg ob. d. Tauber und Dinkelsbühl anwesend.

Die Anlage wurde um 1974/75 nach ein paar Jahren wieder aufgegeben, weil einerseits die Zeit für solche Attraktionen noch nicht reif war und deshalb zu wenig Publikum kam, andererseits enorm viel beschädigt wurde durch die Besucher (hauptsächlich durch die „wohlerzogenen“ und „wohlbeaufsichtigten“ Kinder, aber auch durch die Winter, so daß der Besitzer kaum mehr mit der Schadensbehebung nachkam.

Es gibt geizige Haunstetter, die sparten sich das Eintrifttsgeld und stellten sich mit dem Fernglas auf die Anhöhe knapp westlich der Anlage (Inninger Berg) und schauten sich die Anlage von dort aus an.

Als weiterer Faktor spielten die persönlichen Verhältnisse (z.B. das Alter des Eigentümers) eine Rolle. Die Anlage wurde dann nach Ruhpolding verkauft. Dort erlitt sie durch Hochwasser einen schweren Schaden und wurde danach in die neuen Bundesländer verbracht (Näheres ist hierzu nicht bekannt).
(Text und Bilder: Karl Wahl)