Fasching in Haunstetten

Zur Geschichte des Faschings in Haunstetten

Karl Wahl, Heimatfoscher Haunstettens

Ein Faschingstreiben wird es wohl auch in Haunstetten schon seit vielen, vielen Jahren gegeben haben.

Die früheste Nachricht liegt aus dem Jahre 1905 vor: Als Ende 1905 der Buchdrucker Karl Sporer (Verlag der Haunstetter und der Kö­nigs­brunner Zeitung) sein Geschäft in das Anwesen in der Nord-Ost-Ecke Bürgermeister-Widmeier-Straße / Tal verlegte, gab er in einer Anzeige bekannt, dass er neben vielem anderen auch Faschingsartikel führe.

Anfang Februar 1907 wurde von Sporer eine Haunstetter Faschingszeitung herausgegeben. Weiterhin war im Februar 1907 am Nachmittag des Faschingssonntags ein Maskenzug geplant. Die Aufstellung war vorgesehen beim „Gasthaus zum Ritter St. Georg und können sich Masken aller Art beteiligen. Fuhrwerke werden in ausreichender Anzahl zur Verfügung gestellt.“ Ob der Umzug tatsächlich stattgefunden hat, konnte nicht recherchiert werden.

So oder so ähnlich scheint es dann Jahr für Jahr bis zum Ersten Weltkrieg weitergegangen zu sein. Danach wurde wohl einige Jahre nichts mehr im Fasching veranstaltet.

Erst im Februar 1925 war zu lesen: „Seit dem Jahre 1914 findet heuer zum ersten Male wieder ein echter Faschingsbetrieb statt, zwar nicht in der Öffentlichkeit, aber in den betreffenden Lokalen.“

Zum Faschingsball der Sängergesellschaft Einigkeit am 21. Februar 1925 wurde berichtet:  „Laut Rund­funk wurde den Gästen mitgeteilt, daß Zeppelin R III zu Besuch hier eintreffen wird. Kurz darauf erschien der Zeppelin in voller Pracht von den Ballgästen aufs lebhafteste begrüßt.“

Der Saal der Gastwirtschaft  „Jägerhaus“ wurde 1927 neu erbaut. Von 1927 bis 1939 waren die elektrische Beleuchtung und die Balldekorationen in höchstem Maße künstlerisch und weit und breit einmalig. Gestaltet waren sie jeweils nach einem Mot­to, und zwar nach bekannten Operetten. Geschaffen wurde dies von dem kriegsversehrten Andreas Kaiser mit seinen Helfern Gottlieb Gminder, Jakob Rupp, Ludwig Löcherer, Willi Stiebert und Andere. Alte Haunstetter schwärmten noch nach Jahrzehnten von den Bällen dort und vom Mondscheinwalzer, der rund 20 Minuten lang gedauert hat. Beim Abbau der Dekorationen nach dem Fasching waren meistens Buben anwesend, die dann immer ein kleines Stückchen des Dekorationsmaterials geschenkt bekamen. (Die Gastwirtschaft Jägerhaus wurde im 2. Welrkireg durch eine Fliegerbombe völlig zerstört. Der große Saal blieb erhalten. Darin wurde Ende 1945 das Kino „Atrium“ eröffnet).

Beim Faschingsball der Einigkeit anno 1933 mit dem Motto: „Im Rosengarten von Sanssouci“ spielen die verstärkte Kapelle Kreil und die Kapelle Gruber.

1936 hat der Heimat- und Volkstrachtenverein Haunstetten ein eigenes Vereinsprinzenpaar mit Elferrat und die Einigkeit veranstaltet am Faschingssamstag im Jägerhaus den traditionellen Sängerball und dazu ein „Großes indisches Mas­ken­treiben mit dem Motto „Ins Reich des Indra“ mit einer „Feenhafte Deko­ration.“  Andreas Kaiser hat acht Wochen lang an der Dekoration gearbeitet.

1938 hat die Sängergesellschaft Einigkeit, die jetzt „Mühlbachia“ genannt wird, zum erstenmal in ihrer Geschichte ein eigenes Prinzenpaar. „Prinz Carolus I. aus dem Hause Sporetus am Canale grande“ und seine Gemahlin „Prinzessin Rosalinde vom Kaiserhause aus Mühlbachia“. Vermutlich war der Prinz Karl Sporer und seine Frau eine Tochter von Andreas Kaiser. Der Canale Grande war wohl der Mühlbach (Lochbach).  Der Schlachtruf der „Mühlbachianer“ war „Lach am Mühlbach“.

Anfang Februar 1939 wurden bei der Einigkeit (Mühlbachianer) aus der Taufe gehoben: Prinz Albert I (Albert Lehnert), Prinzessin Erika (Kühn), als Hofmarschall Eugen Wunderle, die „Elfer „Andreas Kaiser, Alois Grob, Philipp Kuhn, Fritz Abele, Eugen Pirz, A. Sauerwein, Josef Full, Ernst Full, Xaver Vogelgsang, Hans Gansbühler und Karl Port. Die Inthronisation Sr. Hoheit des Prinzen Karneval ,Prinz Albert I. und Ihrer Hoheit Prinzessin Erika war am Samstag, 18. Februar, in der „Stammburg zum Jägerhaus“ mit anschließendem großen „Hof-Ball.“ Dazu gab es eine „Schlacht“ mit rund 1.000 Krapfen aus prima „Mühlbachianer“ Weizenmehl. Die Prinzessin Erika Kühn stammte aus der Kunstmühle Kühn. Am Sonntag, 19. Februar 1939  war dann „Großer Walzer-Abend für die Allgemeinheit.“

Als im Mai 1940 die „Siedlungsgenossenschaft Haunstetten“  in der TSV-Gaststätte ihre Generalversammlung hatte, nannte sie in der Einladung dazu die Wirtschaft „Gasthaus Luftschiff“. Wahrscheinlich deshalb, weil dort im Fasching 1925 ein Zeppelin das Motto war und auch ein riesiger Zeppelin zur Dekoration gehörte.

Nach dem 2. Weltkrieg ist der erste Nachweis einer Faschingsveranstaltung der  „bekannte und beliebte alljährliche Volksball“, veranstaltet vom SPD-Flüchtlingsausschuß im Lagersaal des Flüchtlingslagers (Springpark).

1953 veranstaltet der Motorsportclub Haunstetten (MCH) seinen ersten Faschings­ball mit Prinz Lothar I. und Prinzessin Lotte. Der „Schlachtruf“: „Lach am Lochbach“. Dieser Schlachtruf ist wohl angelehnt an den „Schlachtruf“ der Augsburger Faschingsgesellschaft „Perlachia“ = „Lach am Lech.“

Im Februar 1953 hätte Haunstetten beinahe seinen ersten Faschingsumzug erlebt. „Beinahe 25 Fahrzeuge waren bereit und einige Haunstetter Vereine hatten schon ihre Zusage gegeben und Vorbereitungen getroffen.“ Eine Genehmigung wäre schon erteilt worden, aber das Landratsamt Augsburg wollte von „denen, die sich schon die Mühe eines Faschingsumzuges aufbürden wollten, auch noch etwas kassieren. Verständlich, daß die gewiß mutigen Veranstalter nun nicht mehr wollten“.

Am 1. Januar 1954 wird die Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabinder“ gegründet. An diesem Tag um 00.11 Uhr stellte sich das erste Haunstetter Prinzenpaar mit Hofmarschall und Elferrat im Rahmen der Silvesterfeier in der Turnhalle an der Frühlingstraße vor. (Nach der Eingemeindung wurde die Frühlingstraße umbenannt in Arberstraße. Es ist die Turnhalle der ehemaligen „Fliegertechnischen Vorschule“. An der Stelle der Vorschule steht das Seniorenwohnheim des Roten Kreuzes an der Marconistraße). Prinzenpaar: Renate Festerling (19, Metzgerei Festerling an der Nord-West-Ecke Flachsstraße / Eggenstraße), Alfred Riedel (Fotograf), Präsident Michael Wagner; Hofmarschall Lothar Schlundt, Schlachtruf: „Lach am Lochbach“. Elferrat: Walter Lehmann, Jürgen Laschke, Otto Weißenhorn, Rudi Spengler, Franz Scheed, Rudi Röder, Alfred Klemm, Wolfgang Meyer, Albert Karl, Walter Haas, Alfons Frey, Wolfgang Schlenkrich. Der „Schlachtruf“ lautete wie 1953 beim MCH: „Lach am Lochbach.“ Er war wohl dem Schlachtruf der Augsburger Faschingsgesellschaft „Perlachia“ angelehnt . Der lautete: „Lach am Lech.“

Die Prinzengewänder nähte die „Textil-Ecke.“ Die Prinzessin trug ein weißes Kleid aus 48 Metern Tüll und 76 Metern Rüschen, das Kleid war mit 600 Similisteinen besetzt. Der Umhang war weiß, die Krone wog drei Pfund. Der Prinz trug einen strahlend weißen Anzug mit rotem Umhang und eine aus Köln importierte Prinzenkappe. Der Elferrat trug einen schwarzen Anzug mit blauem Umhang.

 

Prolog des Faschingsprinzenpaares 1954:

Der Lochbach ist ein heit’rer Wicht.

Was, ihr Haunstetter kennt ihn nicht?

Ihr solltet ihn ‚mal anschaun gehn

vor Staunen bleibt ein jeder stehn.

Er fließt von jetzt an nicht mehr runter,

Aufwärts plätschert er ganz munter.

Und die Haunstetter Straßenbahn;

es ist ein heller Wahn!

Sie fährt sooo schnell, man glaubt es kaum

man fühlt sich wie in einem Traum!

Die Zeiger uns’rer Kirchuhr’n rennen

als tät es hinter ihnen brennen,

doch einer kommt und traut sich ‚ran

und bindet diese Zeiger an.

Die Turnhall an der Jahnstraß‘, Ahh!

Als wahrer Prachtbau steht sie da!

Viele nette Menschen auf den Straßen

bunt geschmückt sind alle Gassen,

und keinen gibt’s, der das begreift

warum‘s aus allen Winkeln pfeift.

Aus jedem Eck Musik erklingt

Haunstetten lacht, Haunstetten singt.

Und keinen gibt’s, der das kapiert!

Was ist denn hier jetzt all’s passiert?

Was um alles in der Welt

hat Euch denn plötzlich umgestellt?

Da kommt ein kluger alter Mann.

Er sieht die Sache ruhig an

und spricht mit freundlichem Gesicht:

„Ich weiß, ihr glaubt es nicht.

Doch seht in den Kalender rein,

es kann ja gar nicht anders sein.

Von jetzt an wird nur noch gelacht

der Fasching hat uns toll gemacht.

Übt fleißig nun die heit’ren Lieder,

Beim nächsten Ball sehn wir uns wieder!

Euer Prinzenpaar Renate und Fred.

 

Die Inthronisation fand am 23. Januar 1954 in der Turnhalle an der Frühlingstraße durch Bürgermeister Rieger in Vertretung des 1. Bürgermeisters statt.

Was es mit den Zoigrabindr auf sich hat, verdeutlicht ein Gedicht vom Haunstetter  Schullehrer A. Fleiner vom Oktober 1934:

 

Des schönschte Fescht vom ganza Johr

isch Kirchweih, sell isch gwieß und wohr.

’s gibt alles was ma wünscha tuat,

ja an d’r Kirchwei geht ’s oim guat.

Bloß oins, des isch a bißle dumm

es geht der Tag halt gar z‘ g‘schwind rum.

Des Fest fallt leid’r in a Zeit,

wo ¢s koine lange Tag meh geit.

D‘ Houschdeedr, dia sin komma d’rauf

wia ma den Tag im Lauf halt auf.

Junge Burscha schteig‘n im Lauf

glei noch ‚m Amt da Kirchturm ’nauf

und bind’n oifach d‘ Zoig’r a

daß d‘ Uhr net weit’rmacha ka.

Und globn fescht, jetzt isch’s erreicht

daß der guat Tag recht lang net weicht.

D‘ Houschdeedr hoißt ma seit dear Zeit

Zoig’rabind’r weit und breit.

Die Turnhalle am Ende der Frühlingstraße dekorierte jeder Verein, der darin einen Faschingsball veranstaltete, selbst nach dem jeweiligen Motto des Balles und entfernte die Dekoration danach auch wieder. Da kam es vor, dass in der Halle sogar ein oder mehrere Balkone aufgestellt worden. Um schneller zu einem Tanz herunterzukommen, waren sogar Rutschen dazu aufgestellt. Es war ja Fasching.

Die „Zoigrabindr“ veranstalten an Sylvester 1954 in der wieder aufgebauten Turnhalle des TSV eine große Fest- und Prunksitzung mit feierlichem Einzug von Hofmarschall, Elferrat und Ältestenrat im Ornat, mit Büttenredner und Conferencier. Eintritt 2,00 DM und 40 Pfg Steuer. Sie stellen dabei das zukünftige Prinzenpaar Pedro I. und Hannelore I. vor. Das Paar ließ sich bei seiner Vorstellung „zu einigen verhängnisvollen Redenarten hinreißen …“. Dabei hat das Paar die guten Sitten ernsthaft verletzt, weshalb die Zoigrabindr kurzfristig ein anderes Paar wählten.

Am 5. Januar 1955 erfolgt die offizielle Gründungsversammlung der „D‘ Zoigrabindr“ und der Verein läßt sich in das Vereinsregister eintragen. Präsident ist Michael Wagner, Vizepräsident und Hofmarschall ist Otto König, Kassierer Alfred Riedel, Schriftführerin Anneliese Mayer, Beisitzer Franz Scheel, Udo Dermühl,  Karl Stehle. Das neue Prinzenpaar, Prinz Norbert I. und Prinzessin Otti I. sind beide aus Augsburg.

Der Hofball und die Inthronisation des neuen Prinzenpaares findet am 15. Januar 1955 statt

Für Samstag, den 22. Januar 1955, lädt die Stadt Haunstetten zu einem Bürgerball in der TSV-Turnhalle ein.

Die Zoigrabindr veranstalten am 12. November 1955 in der TSV-Turnhalle einen Chrysanthemenball. Vormittags um 11.11 Uhr wurde der Elferrat für 1956 vorgestellt: Paul Czerny jun., Heinz Stehle, Josef Spöcker, Leopold Puls, Martin Schwarz, Erwin Klink, Franz Sieber, Ernst Voag, Günther Roth und Udo Dermühl. Hofmarschall Otto König (auch Ex-Hofmarschall). Es spielte die Kapelle „Silverstars“

Beim Sylvesterball 1955 der Zoigrabindr in der TSV-Turnhalle werden für den Fasching 1956 vorgestellt: Als Prinzenpaar Friedl I. (Thum, Sämannstraße) und Erwin I. (Glink, Augsburg). Hofmarschall Otto König, Elferräte: Paul Czerny jun., Ernst Voag, Günther Roth, Dieter Kante, Udo Dermühl, Josef Spöcker, Leopold Puls, Martin Schwarz, Anton Bayer, Franz Sieber.

Die Faschingsgesellschaft würde in schriftdeutsch heißen: „Zeigeranbinder“. In schwäbisch müsste sie heißen: „Zoigrabindr“. Sie schrieb sich jedoch bayerisch „Zoagrabindr“, wie auf dem Faschingsorden von 1956 zu ersehen ist..

Die Stadt Haunstetten veranstaltet am Samstag, 7. Januar 1956, einen Stadtball und lädt dazu die Einwohnerschaft ein. Organisator: Oberinspektor Schneider (Standesbeamter der Stadt Haunstetten).

Die Dinkelscherbener Schäffler führen in Haunstetten den Original Münchener Schäfflertanz bei den Zoigrabindr auf. Die Vorführung dauert 35 Minuten. Geplant waren Aufführung um 14 Uhr und 15 Uhr im Hof der Eichendorffschule, um 16 Uhr in der Turnhalle. Unkostenbeitrag für Erwachsene 50 Pfennig, für Kinder 30 Pfennig. Wegen der grimmigen Kälte müssen die Aufführungen im Freien ausfallen. Sie werden in die TSV-Turnhalle verlegt.

Das Faschingsprinzenpaar von 1954, Renate Festerling und Alfred Riedel, heiratet am Samstag, 8. Dezember 1956 auf dem Standesamt Haunstetten.

Im Postbräustüberl wird am Samstag, 12. Januar 1957, das neue Prinzenpaar der Zoigrabindr inthronisiert: Prinzessin Mizzi I. und Prinz Günther. Der Schlachtruf lautet nun: „Lach am Lochbach.“

Am 1. Februar 1957 war in der Haunstetter Zeitung zu lesen: „Nach langer und schwerer Krankheit, aber nicht unerwartet, verschied die Faschingsgesellschaft „Die Zoigrabinder“. […]. Die von der Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabinder“ verlassene Stelle ist nun nicht etwa verwaist. An ihre Stelle sind die „Faschingsfreunde Haunstetten“ getreten. Sie haben sich als lose Vereinigung vorgenommen, den begon­nenen Fasching zu Ende zu führen. [….] „Der Leiter H. Hiersemenzel, der Hofmarschall Schimpf, das Prinzenpaar und der größte Teil der Elfer haben übrigens den „Zoigrabindern“ nicht angehört.“

Ein Zeitungsbericht vom 15. März 1957: „Mit Beendigung des Faschings [1957] stellten auch die Faschingsfreunde Haunstetten, die gleich nach Beginn des Faschings die Nach­folge der „Zoigrabinder“ angetreten hatten, ihren internen Satzungen gemäß ihre Tätigkeit ein. Zur feierlichen Auflösung hatten sich neben dem Prinzenpaar und der Elfergarde auch Vertreter der Stadt Haunstetten, ihnen voran 1. Bürgermeister Karl Rieger und 3. Bürgermeister Rudolf Ripperger eingefunden. Der Initiator der Vereinigung der Faschingsfreunde war Hermann Hiersemenzel. […]. Bürgermeister Rieger dankte den Gaudiburschen, die trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten noch Humor besaßen und erklärte schließlich die Vereinigung der Faschingsfreunde für aufgelöst.“

Im „Grünen Baum“ (Aßfalg in der Nähe des Georg-Käß-Platz) entsteht am 11. November 1957 die Faschingsgesellschaft „Haun-Narria“. Die Gründer kamen erst im Laufe des Abends darauf, daß gerade der 11.11. war. Also suchte  man sofort nach einem Prinzenpaar. Tiefbauunternehmer Andreas Heinrich telefonierte seine Tochter Her­ta aus der Badewanne und holte ihre Zustimmung ein. Nachdem sie einverstanden war, mußte sie auch sofort in den „Grünen Baum“ kommen. Inzwischen hatte die Stammtischrunde dort ein Papierkrönchen angefertigt und schon war die Prinzessin, Herta I., fertig. Prinz wurde Manfred I. (Bäumler, Stickerei). Präsident wurde Georg Lebegern. Zum Schlachtruf wurde gewählt: „Haun-Narria“.

Nachdem die Haun-Narria erst im November 1957 entstand, war es für den Fasching 1958 schon zu spät, um sich richtig zu organisieren, die entsprechende Bekleidung zu beschaffen usw. Deshalb hat Haunstetten im Fasching 1958 keine Faschingsgesellschaft und kein Prinzenpaar.

Bis Mitte Februar 1958 hatte sich die Faschingsgesellschaft „Haunarria“ gefestigt. Präsident. ist 3. Bürgermeister Ripperger, stellv. Präsident: 2. Bgm Rommel, Schatzmeister: Andreas Heinrich, Geschäftsführer: Oberinspektor Wachter (Verwaltungsbeamter der Stadt Haunstetten). Schlacht­ruf: „Haun-Narria“.

Beim Haunstetter Stadtball am Samstag, 10. Januar 1959 in der TSV-Turnhalle wird als Ballkönigin Luise Dorsch vorgestellt. Beim Ball tritt erstmals die Faschingsgesellschaft „Haun­-Narria“ auf mit dem Prinzenpaar: Herta I. (Heinrich) und Manfred I. (Bäumler). Hofmarschall ist Georg Lebegern.

Am Samstag, 7. Februar 1959, findet um 15 Uhr ein Faschingsfußballspiel der Haun-Narria, und zwar Elferrat samt ihrer Lieblichkeit, Prinz und Hofmarschall gegen eine Mannschaft des TSV Haunstetten statt. Die Haun-Narren treten mit 13 Mann und der Prinzessin an, die TSV-ler mit 12 Mann und der Ballkönigin des Turnerballs, Ilona Loderer. Die Damen haben den Spielern während des Spiels heiße Erfrischungen zu reichen. Im Tor der Haun-Narria: Hofmarschall Georg Lebegern. Metzgermeister Engelhart steckte sich eine Bierflasche ins Trikot, erkältete sich dadurch derart, daß er an den Folgen verstarb. Er war allerdings schon vorher kränklich gewesen. Die  „Unterhosenparade“ hatte über 400 Zuschauer.

Am 11.11.1959 Vorstellung des Faschingsprinzenpaares für 1960, Inge Lucas und Josef Höltl in der TSV-Turnhalle.

Eine „Fahrt ins Blaue“ der „Haunarria“ am 20. Januar 1960 führt zum Fasching nach Burgau.

Das Faschingsprinzenpaar 1961: Walter Jäcklin und Ursula Tauser. Hofmarschall ist Walter Steinert.

Das Prinzenpaar 1962: Rita (?)  und Karl (?)

Am Sonntag, 11. November 1962 Chrysanthemenball in der Gastwirtschaft Settele („Ritter St. Georg“, mit Vorstellung des Prinzenpaares für 1963, nämlich Ilka Nürnberger und Klaus Dauphin. Hofmarschall ist wieder Walter Steinert.

Der Faschingssorden 1963 hat erstmals kein Fliegermotiv dabei. Er wird für 20 DM in der „Hofkanzlei“ im Rathaus verkauft.

Haunstetten feiert am 19. Januar 1963 in der TSV-Turnhalle den Stadtball mit Inthrionisation des Prinzenpaares der Haun-Narria, Ilka Nürnberger und Klaus Dauphin. Präsident ist Georg Lebegern.

Die Haun-Narria hat zwei „Narrenschiffe“ gebaut. Indienstnahme am Sonntag, 24. Februar 1963 um 10.30 Uhr vor dem Rathaus. Bisher war nur ein Schiff vorhanden.

Die Faschingsgesellschaft „Haun-Narria“ verleiht 1964 über 300 Orden. Das Faschingsprinzenpaar 1964: Ursula Dauphin und Günter Lehnert . Nach Walter Steinert der nun drei Jahre lang Hofmarschall war, ist nun Claus Opolda ab 1964 Hofmarschall (Claus Opolda war dann auch drei Jahre lang Hofmarschall). Der Faschingsorden wurde von der Fa. Hans Bäumler entworfen. Präsident ist weiterhin Georg Lebegern.

Beim Stadtball am 16. Januar 1965 wird das neue Prinzenpaar inthronisiert: Karin I. (Lesti) und Helmut I (Gstättner), siebenter Prinz der Haunnarria (kein gebürtiger Hst). Hofmarschall: Hermann Winkler (Augsburg). Präsident: Georg Lebegern.

Als Faschingsprinzessin 1966 ist Ilona Baudisch (nicht aus Haunstetten) überliefert.

Das Prinzenpaar 1967: Marianne I. (Häns) und Max I. (Hauber).

Fasching 1969: Gaby I. und Charly II. Hofmarschall Siggi Retzer. Ehrenpräsident Bürgermeister Karl Rieger, Vizepräsident Karl Rommel. Geschäftsführer Richard Wachter.

Fasching 1970: Prinzessin: Edith I. (Manlick), Prinz: Daniel I. (van der Werft),

Am Sonntag, 18. Januar 1970, findet  in der TSV-Turnhalle ein Prinzenpaare- und Garde-Treffen statt. Es nehmen zehn Prinzenpaare mit ihren Garden daran teil. Veranstalter sind die Haun-Narria und Perlachia aus Augsburg.

Faschingsprinzenpaar 1971: Lissy Hartl und Achim Junghans.

Am 31. Januar 1971 findet in der TSV-Turnhalle das dritte große Prinzenpaare- und Gardetreffen aus dem schwäbischen Raum statt.

Bis einschließlich 1971 veranstaltete die Stadt dreizehn Jahre lang alljährlich einen Stadtball, 1972 einen Stadt- und Hofball.

Das Faschingsprinzenpaar 1972: Angelique I. Mercedes (Schlagersängerin) und Manfred II.

Vor der Eingemeindung nach Augsburg am 1. Juli 1972 hatte die Stadt Haunstetten den Faschingsverein in jeder Hinsicht großzügig unterstützt. Mit der Eingemeindung war es damit vorbei. Es gab dann auch keinen Stadtball mehr.

Der ehemalige Bürgermeister Karl Rieger inthronisiert am 13. Januar 1973 in der TSV-Turn-halle das Faschingsprinzenpaar der Haun-Narria, Gabi II. und Hans I., Präsident ist Karl Rieger, Geschäftsführer Bert Rudhardt, Chefmanager Max Hauber, Hofmarschall Toni Mayr und Hofschneider Alfred Klein. Idee und Entwurf für den Orden: Hans Bäumler. Der bisherige Stadtball ist nun ein „Hofball“. Choreographie für die Garde: Christl Bernert. Das Prinzenpaar besuchte mit seinem Gefolge in Augsburg und Umgebung insgesamt 117 Veranstaltungen und verlieh dabei 520 Orden.

Die Haun-Narria bestand dann nur noch kurze Zeit. Danach verschwand sie sang- und klanglos. 1974 wurde der letzte dem Autor bekannte Faschingsorden der Haun-Narria aufgelegt. Die seit der Eingemeindung fehlende Unterstützung dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Haun-Naria aufhörte und und auch kein anderer Faschingsverein mehr entstand.

Am 29. Januar 1994 fand der letzte reine und große TSV-Faschingsball statt.

Es gibt in Haunstetten heute kaum mehr große Faschingsbälle. Einzelne Vereine und Pfarrgemeinden veranstalten weiterhin ihren Vereins- bzw. Gemeinde-Faschingsball.

Die Jugendlichen haben in heutiger Zeit das ganze Jahr „Fasching“ mit Styropor-Party, Sand-Party, Schaumparty und dergleichen und fast unzähligen Diskotheken in und um Augsburg. Sie sind nicht gewillt, sich monatelang auf einen Vereinsball mit aufwendiger Dekoration und allerlei Einlagen vorzubereiten. Damit ist für die „Alten“ viel der früheren Anziehung verloren gegangen und außerdem ist denen die Musik immer viel zu laut.
(Bilder und Text: Karl Wahl)

BU: 1 (1852): Anzeige in der Haunstetter Zeitung anno 1912. Die Gastwirtschaft Alpenrose steht (mit inzwischen anderem Namen, 2012 „Girsasole“) in der Süd-West-Ecke Haunstetter Straße und Hötzelstraße.

BU 2 (0886). Beim Faschingsball der Sängergesellschaft Einigkeit am 21. Februar 1925 in der Turnhalle an der Jahnstraße. Zeppelin mit der Aufschrift  „Z R III“.

BU 3 (0568): Jägerhaus-Festsaal beim Faschingsball der Sängergesellschaft Einigkeit anno 1933 mit dem Motto: „Im Rosengarten von Sanssouci“.

BU 4 (0565): Jägerhaus-Festsaal im Fasching 1937. Motto des Faschingsschmucks: „Es wird in 100 Jahren wieder so ein Frühling sein“. Das Motiv war alljährlich eine andere Operette. Leitung der Saal­schmückung Andreas Kaiser.

BU 5 (6751): Das Prinzenpaar 1954 der „Zoigrabindr“: Renate Festerling (19, Metzgerei Festerling an der Nord-West-Ecke Flachsstraße / Eggenstraße), Alfred Riedel (Fotograf).

BU 6 (6757): Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“. Bürgermeister Rieger inthronisiert die Faschingsprinzessin 1954.

BU 7 (6759): Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“. Faschingsprinzenpaar 1954.

BU 8 (6761): Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“.

BU 9 (6769): Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“. Der Faschingsorden zeigt die fünf Minuten vor Mitternacht angehaltene Uhr, damit sie nicht auf Mitternacht vorrücken konnte und damit  ehemals das Kirchweihfest zu Ende gewesen wäre.

BU 10 (6780): Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“.

BU 11 (6908) : Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“ bei einem Faschings-Umzug in Augsburg.

BU 12 (6905): Die Faschingsgesellschaft „D‘ Zoigrabindr“.

BU 13  Faschingsorden der Zoigrabindr 1956!

BU 14  nicht belegt !

BU 15 (6777): Die Faschingsfreunde Haunstetten führten den angefangenen Fasching 1957 zu Ende. Der Schlachtruf der Zoigrabindr „Lach am Lochbach“ wurde beibehalten.

BU 16 (6789). Ein Narrenschiff der Haun-Narria.

BU 17 (6810): Ein Narrenschiff der Haun-Narria.

BU 18 (6814):  Beim Haunstetter Stadtball am Samstag, 10. Januar 1959 in der TSV-Turnhalle tritt erstmals die Faschingsgesellschaft „Haun­-Narria“ auf mit dem Prinzenpaar: Herta I. (Heinrich) und Manfred I. (Bäumler). Hofmarschall ist Georg Lebegern. Im Bild inthronisiert Präsident Rudolf Ripperger Prinzessin Herta Heinrich, links Bürgermeister Karl Rieger.

BU 19 (6818): Beim Stadtball 1959. Links Präsident der Haunnarria, Rudolf Ripperger, 2. v.li: Prinz Manfred Bäumler, Mitte Prinzessin Herta Heinrich, rechts: Elferrat, davon ganz links: Kamm, 2. v. li: Porkert.

BU 20 (6833): Vorstellung des Prinzenpaares 1960 der Haun-Narria am 11.11.1959 um 11.11 Uhr in der TSV-Turnhalle: Inge Lucas und Josef Höltl.

BU 21 (6784): Beim Faschingsfußballspiel am 7. Februar 1959.

BU 22  Nicht vergeben.

BU 23 (6825): Die Garde 1959 der Haun-Narria.

BU 24 (6828): Die Haun-Narria fährt 1959 aus dem Bremhof zu einem Faschingsumzug.

BU 25: Faschingsorden 1959 der Haun-Narria.

BU 26: (2571): Fasching 1960. Josef Höltl, Georg Lebegern, Inge Lucas.

BU 27:(6838) : Prinzenpaar 1960: Inge Lucas und Josef Höltl. Beim Stadtball 1960 in der TSV-Turnhalle.

BU 28: Faschingsorden der Haun-Narria 1960

BU 29: Faschingsorden der Haun-Narria 1961.

BU 30: Bild nicht vergeben!

BU 31: Faschingsorden der Haun-Narria 1962.

BU 32: Faschingsorden der Haun-Narria 1963.

BU 33: (6802) Prinzenpaar der Haun-Narria 1963: Ilka Nürnberger und Klaus Dauphin. Rechts Bürgermeister Rieger.

BU 33a: Die Haun-Narria 1963 beim Faschingsumzug in der Tattenbachstraße vor dem ehemaligen Rathaus.

Bild 33b: Das Faschingsprinzenpaar 1963 der Haun-Narria, Ilka Nürnberger und Klaus Dauphin.

BU 34: Faschingsorden der Haun-Narria 1964

BU 35: Faschingsorden der Haun-Narria 1965.

BU 36: (6857) Fasching der Haun-Narria 1967. Prinzenpaar: Marianne I. (Häns) und Max I. (Hauber).

BU 37 (6854): Prinzenpaar 1967: Marianne I. (Häns) und Max I. (Hauber).

BU 38: Faschingsorden der Haun-Narria 1967.

BU 39 (6864): Faschingsgesellschaft Haun-Narria 1968.

BU 40: Faschingsorden der Haun-Narria 1968.

BU 41 (6949): Prinzenpaar 1968: Brigitta Schimpf und Rainer Beck.

BU 42 (6951): Prinzesin 1968 Brigitta Schimpf und Schulrektor a.D. Ulrich Stuhler.

BU 43: Faschingsorden der Haun-Narria 1969.

BU 44: Faschingsorden der Haun-Narria 1971.

BU 45: Faschingsorden der Haun-Narria 1972.

BU 46: Faschingsorden der Haun-Narria 1973.

BU 47: Faschingsorden der Haun-Narria 1974.

BU 48 (0910) Hallendekoration der TSV-Turnhalle im Fasching 1975.