Fritz Hintermayr Stift

Fritz Hintermayr – nichts mehr erinnert an ihn

(Karl Wahl – Jan. 2011) Zum Erbe von der Gräfin: Im Sommer 1940 hatte Gräfin von Tattenbach dem 1. Bürgermeister von Haunstetten, Xaver Widmeier, mitgeteilt, daß sie in ihrem Testament verfügt habe, daß Haunstetten alle Grundstücke, die ehemals zum (alten) Krankenhaus gehörten, erben wird. Haunstetten bekam die Grundstücke auch. Darauf stand das alte AWO-Heim und es stehen heute darauf das neue AWO-Altenheim, das Schwesternheim und das neue Krankenhaus (Klinikum Süd). Der große Parkplatz beim Altersheim und Krankenhaus gehört auch dazu.

Die AWO (Arbeiterwohlfahrt) hatte 1963 für den Bau eines Altenheimes in Haunstetten eine – damals anonyme – Spende von einer Million DM erhalten. Der Spender war der in Augsburg geborene Fabrikant Fritz Hintermayr, dessen Namen das Heim auch zu seinen Ehren trug. Die Stadt Haunstetten stellte der AWO ein 5.220 Quadratmeter großes Grundstück an der Sauerbruchstraße im Erbbaurecht für den Bau des Altenheimes zur Verfügung und übernahm die Hälfte der Erschließungskosten. Haunstetten hatte das Grundstück von der Gräfin von Tattenbach geerbt.

Zur AWO in Haunstetten: Der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt Haunstetten, eine Untergruppe des AWO-Kreisverbandes Augsburg e.V., war 1950 gegründet worden.

AWO 2wAuf der Luftaufnahme sind zu erkennen: Das ehemalige AWO-Heim, das Schwesternheim (das wahrscheinlich auch bald abgebrochen wird), das ehemalige alte Haunstetter Krankenhaus mit dem ehemaligen Altersheim, sowie das neue Haunstetter Krankenhaus, nun Klinikum Süd. Das neue AWO-Heim wurde erbaut in dem dunkel eingegrenzten Grundstück, im Bild links und schräg gegenüber dem alten Heim. Bild. Sammlung Wahl.

Im November 1963 begann der Bau des Altenheimes aus Fertigbauteilen. Am 12. Juni 1964 wurde das Richtfest gefeiert. Das neue Heim hatte neun Geschoße und eine Gesamthöhe von 28 Metern.

Am 19. Dezember 1964 wurde das Heim seiner Bestimmung übergeben. Die Adresse war Sauerbruch-Straße 2. Es hatte Platz für 165 Senioren, einen Wohn- und Pflegebereich, Kurzzeitpflege und eine gerontopsychiatrischer Wohngruppe. Es hatte insgesamt 175 Betten, davon hatte die Stadt Haunstetten aufgrund des Erbbaurechts für 100 Haunstetter Bürger das Belegungsrecht.

Das Heim war eine Anhäufung von sehr einfachen Zimmern. Sie hatten nur ein Waschbecken, jedoch keine Naßzelle mit WC und Dusche.
Die Zimmer waren 13 oder 16 Quadratmeter groß.

Der Tagessatz für ein fertig möbliertes Zimmmer betrug elf D-Mark und für ein Doppelzimmer acht D-Mark pro Person. Sozialhilfeempfänger erhielten 25 D-Mark Taschengeld pro Monat.

Blick vom Kleingartenweg zum AWO-Altenheim (alt) und zum Klikum Süd.So konnte man das Fritz-Hintermayr-Altenheim vom Krautgartenweg aus sehen. Rechts das Schwesternheim. Bild: Karl Wahl.

Auf jeder Etage waren waren zwei Toilettenanlagen mit je fünf WC-Gemeinschaftskabinen vorhanden. Je Etage war ein (!) großes Badezimmer vorhanden. Diese Badezimmer waren ab den 1990er Jahren nach und nach zu Pflegebädern umgerüstet worden.

Anfangs durften die Bewohner keinen Nagel in die Wand schlagen, kein Bild aufhängen und keine Vorhänge anbringen, nur seitliche Schals waren zugelassen. Die Zimmer mußten nackt und kahl bleiben. Anscheinend befürchtete man Schäden an den Platten,

Aufgrund der Plattenbauweise waren nach und nach Risse zwischen den Platten entstanden, wodurch die Sonne nach innen schien oder Wind, Regen und Schnee eindrang. Ein Kind konnte seine flach und senkrecht gehaltene Hand hindurch ins Freie stecken. Auch zwischen den Wand- und Deckenplatten waren Risse entstanden.

Im Rahmen einer Festsitzung des Stadtrates Haunstetten im Mai 1965 überreichte Bürgermeister Karl Rieger dem Bruder Max des inzwischen verstorbenen Fabrikan­ten und Spenders Fritz Hintermayr die silberne Bürgermedaille der Stadt Haunstetten.

Am 2. Juni 1972 besuchte die Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit Käte Strobel (SPD, Ministerin von 1969 bis 1972) das AWO-Altenheim.

AWO 4wEingang des Fritz-Hintermayr-Altenheims. Bild: Karl Wahl.
AWO 5wAm Eingang des Fritz-Hintermayr-Altenheims. Bild: Karl Wahl.

Nachdem das Heim aus Fertigbauteilen zusammengesetzt war, konnte es nicht richtig renoviert werden. Wegen der Plattenbauweise und den äußerst mageren sanitären Anlagen konnte das Gebäude auch nicht zu anderen Zwecken verwendet werden. Außerdem stand es im Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Augsburg. Die AWO hatte sich deshalb zum Bau eines neuen Heimes entschlossen.

AWO 8wSo sah das Fritz-Hintermayr-Altenheim aus, als es noch belegt war. Bild: Karl Wahl

Im Februar 2009 schloß das bisherige Alten- und Pflegeheim. Gegenüber ist ein neues Heim mit 116 Betten erbaut worden. In den vergangenen Monaten zuvor war im alten Heim die Belegung auf 126 gesunken, da eine Neuaufnahme nicht mehr stattfand.

AWO 9wAm Eingang nach der Schließung. Bild: Karl Wahl

Der Umzug in das neue Heim fand Anfang März 2009 statt.

Fritz Hintermayr würde sich im Grabe umdrehen, wenn er mitbekommen könnte, dass mit seiner Spende ein Heim errichtet wurde, das nach knapp 50 Jahren schon wieder abgerissen werden mußte.

AWO 6wDie Stele, die an Fritz Hintermayr erinnerte, neben dem Eingang des Altenheims. Bild: Karl Wahl

Neben dem Eingang des alten Heimes erinnerte eine Stele an Fritz Hintermayr. Auf deren Oberfläche war eingemeißelt: „Herr Fritz Hintermayr förderte durch eine hochherzige Spende den Bau dieses Hauses. Aus Dankbarkeit trägt es seinen Namen.“

AWO 7wText auf der Erinnerungsstele, die an Fritz Hintermayr erinnerte. Der Text ist schlecht lesbar. Er lautete: „Herr Fritz Hintermayr förderte durch eine hochherzige Spende den Bau dieses Hauses. Aus Dankbarkeit trägt es seinen Namen.“ Bild: Karl Wahl.

Auf der gläsernen Eingangstüre stand ehemals:

ARBEITERWOHLFAHRT
Fritz-Hintermayr
Alten- u. Pflegeheim
Haunstetten
Sauerbruchstr. 2

Die Schrift auf dem Glas der Eingangstüre war schon vor dem Jahr 2002 nicht mehr vorhanden.

AWO 1wEhemaliger Schriftzug auf der Eingangstüre zum früheren AWO-Heim. Bild: Karl Wahl

Es ist kaum mehr bekannt, dass das frühere AWO-Heim ehedem nach Fritz Hintermayr benannt war.

Von der Stele wurde das Oberteil mit der Inschrift abgesägt und dieses Teil ist nun im Garten des neuen AWO-Heimes tief am Boden in einer Rabatte mit Blumen, Stauden und Steinen eingelassen. Außerdem weist nichts darauf hin, daß das Oberteil mit dem jetzigen Heim nichts zu tun hat. Die Inschrift lautet ja: „Herr Fritz Hintermayr förderte durch eine hochherzige Spende den Bau dieses Hauses. Aus Dankbarkeit trägt es seinen Namen.“

Der überwiegende Teil der Stele wurde beim Abbruch des Heimes mit dem Schutt weggeräumt.

Somit erinnert so gut wie nichts mehr an Fritz Hintermayr, der ehemals eine Million D-Mark gespendet hatte.

AWO 10wDas ausgeräumte Heim kurz vor dem Abbruch. Bild: Karl Wahl
AWO 11wDas Fritz-Hintermayr-Altenheim wird abgebrochen. Bilder: Karl Wahl
AWO 12wDas Fritz-Hintermayr-Altenheim wird abgebrochen. Bilder: Karl Wahl
AWO 13wDas Fritz-Hintermayr-Altenheim wird abgebrochen. Bilder: Karl Wahl
AWO 14wNoch liegt ein bißchen Schutt. Nun erinnert nichts mehr an Fritz Hintermayr. Bilder: Karl Wahl
AWO 15wNoch liegt ein bißchen Schutt. Nun erinnert nichts mehr an Fritz Hintermayr. Bilder: Karl Wahl

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