Geschichte der Freibäder in Haunstetten

Geschichte der Freibäder in Haunstetten

Die Geschichte der Naturfreibäder in Haunstetten hat uns der Haunstetter Heimatforscher Karl Wahl zur Verfügung gestellt, vielen Dank für die aufwendige Arbeit (Juni 2009)

Das Erstes Freibad vor über 100 Jahren in Haunstetten

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Die beiden „Roßschwemmen“ bestehen nicht mehr. Die obere Pferdeschwemme
lag in der Südostecke Krankenhausstraße und Schloßanger. Die Untere Pferde-schwemme ist ebenfalls verfüllt und es führt die Walchenseestraße darüber hinweg.
Im Bild die „Untere Roßschwemme.“ Der freie Blick rechts am „Oberen Klett“ weit vorbei in die Ferne und ist heute nicht mehr möglich. Dort ist inzwischen alles bebaut. Bild: Sammlung Wahl

(kw). Schon vor über 100 Jahren gab es in Haunstetten ein Art von Freibad. In der ehemaligen Haunstetter Zeitung vom 15. Juni 1900 war zu lesen: „Zur Badesaison empfiehlt der Unterzeichnete seine gut eingerichtete Badeanstalt zur gefl. Benützung. Achtungsvollst, Josef Schöllhorn, Bader.“ Als Bad war auf dem Grundstück von Schöllhorn unmittelbar neben dem Lochbach eine Fläche von etwa zehn mal 15 Metern und vermutlich bis auf einen Meter Wassertiefe ausgehoben. Die Rän-der waren mit Bohlen verkleidet. Das Wasser kam vom Lochbach. Zum Umkleiden standen ein paar Holzhäuschen in der Nähe. Sie sahen etwa so aus wie die „Aborthäuschen“ der Nachbarn. Die folgenden Zitate sind ebenfalls ehemaligen Haunstetter Zeitungen entnommen.

Am 12. August 1904 war als Bekanntmachung des Bürgermeisters von Haunstetten zu lesen: „Wie alle Jahre so auch heuer, stellt sich der Unfug ein, daß Kinder beiderlei Geschlechts außerhalb des Ortes im Mühlbache baden, wodurch für unsere Gemeinde ein schlechtes Sittenbild entsteht.“

Im darauffolgenden Jahr: „Wie in den früheren Jahren, so wird auch heuer bekanntgemacht, daß der Schuljugend das Baden außerhalb der Badeanstalt besonders in der Nähe der oberen und der unteren Krautgärten strengstens untersagt ist. Die Badeanstalt des Herrn Joseph Schöllhorn ist der Schul­jugend an den bekannten Tagen geöffnet. Es soll jedoch in der Badeanstalt jedes Lärmen und Schreien der Kinder vermieden werden. Haunstetten, den 28. Juni 1906.“ Man stelle sich badende Kinder vor, die dabei nicht Lärmen und Schreien! Die oberen Krautgärten sind heute die Kleingärten beim „Oberer Krautgartenweg“ und die unteren Krautgärten sind heute ein riesiger Parkplatz und ein paar Kleingärten beim „Unterer Krautgartenweg.“

So oder so ähnlich ging es fast Jahr für Jahr weiter: „Wie in den früheren Jahren, so wird auch heuer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß es unstatthaft ist, wenn Kinder außerhalb des Ortes im Mühlbache baden. Hinreichende Badegelegenheit ist geboten in der Badeanstalt des Herrn Josef Schöllhorn. Nur soll auch hier übermäßiges Schreien und Lärmen vermieden werden.“

Auch wurden die Badezeiten für Buben und Mädchen genau festgelegt: „Bekanntmachung: Betreff: Die auf dem Grundbesitz des approbierten Baders Josef Schöllhorn dahier errichtete gemeindliche Badeanstalt. Hiemit werden im Benehmen mit der Lokalschulinspektion dahier die für die hiesige Jugend festgesetzten Badezeiten veröffentlicht:

A. Männliche Jugend: Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag je bis abends 8 Uhr, Sonntag ab 5 Uhr nachmittags.

B. Weibliche Jugend: Dienstag und Freitag je bis abends 8 Uhr: Sonntags bis nachmittag 5 Uhr.

Ferner wird bekanntgegeben, daß 1. Schutzmann Anton Kiefer, 2. Feldflurer Johann Biehler beauftragt sind, die badende Jugend zu überwachen und ist deren Anordnungen unbedingt Folge zu leisten. Insbesondere werden an dieser Stelle auch die Eltern gebeten, ihre Kinder mit Vorstehendem vertraut zu machen und zur Folgeleistung und einem achtungswürdigen Verhalten in jener Hinsicht zu ermahnen. Haunstetten, den 12. Juni 1912, Ortspolizeibehörde, Seethaler, Bürgermeister.“

Mittwoch 11. August 1915: „Bekanntmachung: Eingelaufene Beschwerden über die Belästigung von Passanten von im Mühlbach [Lochbach] badende Personen veranlassen die Ortspolizeibehörde Haunstetten, darauf hinzuweisen, daß das Baden im Mühlbach in der Nähe von öffentlichen Wegen verboten ist und gegen Zuwiderhandelnde mit Strafanzeige vorgegangen werden müßte. Diesem schon früher bestandenen Übelstande abzuhelfen, hat die Gemeinde Haunstetten bekanntlich eine eigene Badeanstalt geschaffen, so daß keinerlei Gründe das eingangs erwähnte, unschöne Treiben rechtfertigen können. Haunstetten, den 9. August 1915, Ortspolizeibehörde, L. Rucker, Bürgermeister.“

1927 wurde daruf hingewiesen, daß die beiden Roßchwemmen „zum Baden der Pferde benötigt werden“ und dort nicht gebadet werden darf.

Es ist nicht bekannt, wann das Freibad Schöllhorn aufgegeben wurde. 1929 war zu lesen: „Das Baden im Lochbach ist innerhalb der geschlossenen Ortschaft, d. i. von der Kunstmühle bis zur Haunstetter Spinnerei und Weberei nur an der Stelle gestattet, an welcher früher die Badeanstalt war (bei Bader Schöllhorn). An allen anderen Stellen innerhalb dieser Strecke ist das Freibaden, hauptsächlich wegen des dadurch verursachten Flurschadens, verboten.“

1932 kam der endgültige Abgesang: „In früheren Jahren standen auf dem Anwesen des Landwirtes und Baders Josef Schöllhorn einige geschlossene Badehütten, an die sich nördlich ein eingeblanktes  Schwimmbad anschloß. Diese Badegelegenheit wur-de, nach dem sie wegen Baufälligkeit entfernt werden mußte, nicht mehr erneuert, des es zur Befriedigung heutiger Badebedürfnisse ja doch viel zu klein wäre.“

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Das ehemalige Anwesen des Bades Schöllhorn, nördlich neben der Eichen-dorffschule. Daneben steht schon das neue, 1930 erbaute Haus. Die alte Badersölde wude 1939 abgebrochen. Bild: Sammlung Wahl

Zeites Haunstetter Freibad

Die Geschichte des zweiten Freibades in Haunstetten begann schon 1937. In der ehemaligen Haunstetter Zeitung war zu lesen:

„Bevor für die Errichtung eines Schwimmbades in der Kiesgrube größere Ausgaben gemacht werden, will man im kommenden Jahre noch mehr Erfahrungen über die Brauchbarkeit des Wassers sammeln.“

Ein Jahr später, am 26. August 1938 stand folgendes in der Zeitung: „Schon seit mehreren Jahren ist man hier auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein Schwimmbad zu schaf­fen, dasder Vergrößerung Haunstettens Rechnung trägt. […]. Man hat nun den Versuch gemacht, das Bad in das Grundwasser hineinzulegen und zu diesem Zweck im vergangenen Herbst in der gemeindli­chen Kiesgrube an der Inninger Straße größere Flächen ausbaggern lassen, und zwar aus Sicherheits­gründen zwei Becken, davon eines mit geringer Wassertiefe für Kinder und Nichtschwimmer. Aber auch in dem für Schwimmer hergestellten Becken, das eine Länge von 50 Meter und eine Breite von 30 Meter hat, können Nichtschwimmer baden […]. Bei der Benützung dieser provisorischen Badeanlagen in diesem Jahre will man Erfahrungen sammeln, um zu prüfen, ob die Errichtung einer Daueranlage an dieser Stelle und in dieser Art zweckmäßig ist.“ Die Kiesgrube und damit das vorläufige Naturfreibad ist längst verfüllt und ist heute ein kleiner Park zwischen der Hermann-Frieb- und der Afrastraße.

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So sah das zweite Haunstetter Freibad aus. Zur Orientierung: Im Hintergrund verläuft quer die Inninger Straße. Im Bild rechts neben dem Haus mit Walmdach mündet die Neue Straße in die Inninger Straße ein. Bild: Sammlung Wahl

Drittes und endgültiges Haunstetter Freibad

Erst 20 Jahre nach dem provisorischen Bad in der Kiesgrube begann man die Vorstellung eines richtigen Freibades zu realisieren. Der Stadtrat von Haunstetten beschloss am 21. Juli 1958, ein Naturfreibad zu errichten. Dieses Freibad hat keinen Zu- und Abfluß, sondern besteht aus freigelegtem Grundwasser. Am 1. September 1958 tat Bürgermeister Karl Rieger zusammen mit Captain Boylan von den US- Pionieren aus Augsburg den ersten Spatenstich für das Naturfreibad.

Am Sonntag, 19. Oktober 1958 veranstaltete der Automobil- und Motorsportclub Haunstetten (AMCH) noch ein Motorrad-Rennen auf dem Gelände des damals im Bau befindlichen Naturfreibades (Der Motorsportclub konnte sein traditionelles Flughafenrennen nicht mehr veranstalten, da der (alte) Flugplatz nicht mehr für diesen Zweck zur Verfügung stand.

1959 war mit der Freilegung der Wasserfläche begonnen worden.

Der AMCH veranstaltete am 24. April 1959 auf dem Gelände des zukünftigen Naturfreibades noch ein zweites Motorradrennen.
Am 3. Juli 1960 wurde dann das Naturfreibad eröffnet und seiner Bestimmung übergeben. Noch im gleichen Jahr wurde der 200.000ste Besucher gezählt. Das Freibad hat einen Badesee von 10.500 qm und rund 15.000 qm Liegewiese.

1965 veranstaltete Haunstetten im Naturfreibad ein Schulschwimmfest. Sportlicher Leiter war Oberlehrer Erich Boiger.

Im Juni 1968 begrüßte das Naturfreibad den 500.000. Besucher. Nach der Eingemeindung am 1. Juli 1972 zog die Stadt Augsburg aufgrund von Sparmaßnahmen das Personal des Naturfreibades ab.

Im Mai 1983 erfolgte die Umwidmung des Naturfreibades in ein freies Badegelände ohne Auficht, für das seither kein Eintrittsgeld mehr erhoben wird.

Im Juni 1983 wude das Nichtschwimmerbecken zugeschüttet und dafür eine flache Stelle des Badesees mit Kies aufgeschüttet.

Mitte der 80er Jahre war das Bad schon einmal von der Schließung bedroht. Durch großzügige Spenden und Engagement interessieter Bürger war es gelungen, das Bad zu erhalten.

1984 fand im Naturfreibad das erste „Seefest“ statt. Beim einem Nikolausmarkt im Dezember 1995 im Naturfreibad sollte mit „Selbstgekochtem“ und „Selbstgemachtem“ etwas Geld für das Bad eingenommen werden. Der Markt mußte mangels Kunden 1997 wieder eingestellt werden.

1997 war der Boden des Bades so verschlammt, daß er in einer großen Aktion abgesaugt werden mußte.

Das Bad ist im Sommerhalbjahr, auch wegen der großen Grünflächen, ein großer Anziehungspunkt für Alt und Jung. In Spitzenzeitem wird es täglich von 800 bis 1.500 Badegästern besucht. Im Frühjahr veranstaltet der Fischereiverein alljährlich schon traditionell mehrere „Badfischen.“                                                                                                  Neben dem Fischereifest findet alljährlich das beliebte Seefest statt, zu dem bis zu 4.000 Festgäste kommen.

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Rings um das Wasserbecken des Naturfreibades stehen die Fischer beim traditionellen „Badfischen“. Bild: Karl Wahl

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„Heit beißns guat!“ Der Fang eines Petrijüngers nach knapp einer Stunde. Bild: Karl Wahl