Lechhochwasser

Katastophales Lech-Hochwasser vor 100 Jahren

Ein altes Sprichwort sagt: „Wo man den Lech hört brausen, ist nicht gut hausen.“

(kw – Karl Wahl Heimatforscher Haunstettens) Vor etwas über 100 Jahren ereignete sich ein katastrophales Lechhochwasser. Das Wasser kam bis nach Haunstetten, was es seit Menschengedenken nicht gegeben hatte.
Am Donnerstag, 16. Juni 1910,  kamen frühmorgens gegen sechs Uhr so ungeheure Wassermassen, dass in mehreren tiefgelegenen Anwesen die Kellerräume und Erdgeschoßzimmer geräumt werden mussten. Das Haunstetter Krankenhaus war von einem förmlichen See eingeschlossen. Auf der Krankenhausstraße stand das Wasser bis zu siebzig Zentimeter hoch. Es reichte bis zur Abzweigung von der Martinistraße.
Der Personenverkehr der Lokalbahn musste auf der Endhaltestelle bei der Krankenhausstraße eingestellt werden (die Straßenbahn wurde erst 1927 nach Haunstetten gebaut). Im ehemaligen Anwesen des Baders Schöllhorn (nördlich neben der Eichendoffschule) und beim „Unteren Klett“ (Anton Miller) mussten die Viehställe geräumt werden. Beim unteren Klett floß das Wasser wie ein Strom durch den Viehstall. Das Haunstetter Elektrizitätswerk (östlich der ehemaligen Metzgerei Urban, die heute eine Moschee ist) ragte wie ei­ne Inselfestung aus den Fluten heraus. Das ehemalige E-Werk ist heute ein Betriebshof der Stadtwerke Augsburg, Sparte Trinkwasserwirtschaft.
Erheblichen Schaden richtete das Hochwasser in der Gärtnerei Scherer (später Schwei­ger, jetzt Türk) an, wo das Wasser in den Parterreräumen sogar den Fußboden aushob und die Gärtnerei-Anlagen völlig überschwemmte.
In der Haunstetter Spinnerei und Weberei musste mittags der Betrieb eingestellt und konnte erst am Samstag früh wieder aufgenommen werden. Der große Obstgarten der „Fabrik“ stand völlig unter Wasser. Im Kesselhaus und im Maschinenhaus hatte der Wasserstand eine beträchtiliche Höhe erreicht. Die Keller konnten noch rechtzeitig ausgeräumt werden, so dass der Maschinenschaden nicht sehr erheblich war. Es wurden Kanäle gezogen, die das Wasser in den Hof ableiteten.
Die Lochbachbrücke im Zuge der Siebenbrunner Straße (heute Ellensindstraße) musst neu erbaut werden.
Auch in Siebenbrunn und Königsbrunn  waren die Überschwemmungen grauenhaft und mehrere Anwesen schwer bedroht.
Der Hochablass und die Hochablasswirtschaft wurden weggerissen. Der Vater des Autors, der Verwandte in Hochzoll hatte, berichtete, dass es in Hochzoll dreizehn Häuser weggerissen hatte. Er hatte selbst gesehen, wie der Lech halbe Häuser herunterschwemmte. Das waren keine gemauerten Häuser, die ja zerbrochen wären, sondern Fachwerkhäuser, deren Teile miteinander verzapft und mit eisernen Laschen verbunden waren, so dass sie nicht einfach auseinanderbrechen konnten. Er musste damals auch hilflos zusehen, wie Hundehütten mit ihren angeketteten Hunden von den Fluten mitgerissen worden waren und dahergeschwemmt wurden.


BU: Das Hochwasser von 1910 reichte bis zur Abzweigung der Krankenhausstraße von der Martinistraße. Im Bild rechts sind das ehemalige Feuerwehrhaus und die ehemalige Haunstetter Freibank zu sehen. Bild: Sammlung Wahl


BU: Das Haus der ehemaligen Gärtnerei Scherer, dann Schweiger, jetzt Türk stand im Hochwasser. Bild: Sammlung Wahl


BU: Das ehemalige Haunstetter Elektrizitätswerk ragte wie eine Insel aus dem Hochwasser. Bild: Sammlung Wahl


BU: Auch das ehemalige Haunstetter Krankenhaus stand im Wasser. Bild: Sammlung Wahl
Vielen Dank an Herrn Karl Wahl für die aufwändige Arbeit und das Erstellen des Beitrages.